Konzept der Lehr-Evaluation im Studium Humanmedizin


Die wissenschaftliche Grundlage des Konzeptes für die Lehrevaluation im Studium Humanmedizin liefert die von Schenkel, Tergan & Lottmann (2000) beschriebene Qualitätsevaluation. Entsprechend dieser Konzeption wird sie als Instrument der Qualitätssicherung begriffen: „Evaluation als Qualitätssicherung dient der Unterstützung der Realisierung einer Bildungsmaßnahme in den drei Hauptphasen: Planung, Entwicklung und Einsatz“ (Schenkel et.al., 2000).

Als Zielsetzung in der Basler Ausbildung wurde definiert, Exzellenz in Wissen (kognitive Ebene), Fertigkeiten (psychomotorische Ebene) und Haltungen (affektive Ebene) durch integrierte Themenblöcke zu erreichen, sowie durch

  • die Einbeziehung der Hausarztmedizin in das Curriculum,

  • die Förderung wissenschaftlich interessierter Studierender,

  • die Förderung von „life long learning“ durch Implementierung geeigneter Lehrformen und

  • die Intensivierung des Praxisbezuges.

Aus dieser Planung ist eine klare didaktische Konzeption abzuleiten:

  • die Vermittlung kognitiver Inhalte findet vornehmlich in Vorlesungen sowie in Seminaren und Tutoriaten statt,

  • die Vermittlung affektiver Inhalte in Kursen, im Arzt-Patienten-Unterricht (AP-Unterricht), in den Wahlprojekten und im Einzeltutoriat (ET) und

  • die Vermittlung psychomotorischer Inhalte im AP-Unterricht, in Kursen, im ET, in Praktika sowie im Skills Lab.

Parallel zum Evaluationskonzept wurde das Prüfungskonzept auf diese Zieldefinition abgestimmt.

Darüber hinaus ist das Evaluationskonzept in das universitäre Qualitätsmanagement eingebettet; in jährlich stattfindenden Gesprächen zwischen dem Studiendekan / der Studiendekanin und dem Prorektor Lehre / der Prorektorin Lehre werden die fakultären Evaluationsergebnisse diskutiert.

Zielsetzung der Evaluation des Lehrangebotes ist die wissenschaftliche Überprüfung der Lehre bezüglich Akzeptanz, Lernerfolg und Wissenstransfer. Die Evaluationsdaten werden dabei sowohl quantitativ als auch qualitativ erhoben.

Grundlage der Lehrevaluation bezüglich der angestrebten Qualität und der Wirkung der Veranstaltungen ist die studentische Beurteilung. Zahlreiche Untersuchungen konnten die Validität studentischer Urteile für die Unterrichtsbewertung nachweisen (siehe z.B. Felder, 1992 und Karma El-Hassan, 1995).

Die eingesetzten Fragebögen und Items wurden bei ihrer Einführung einer umfangreichen Struktur- und Itemanalyse unterzogen. Dimensionen der studentischen Beurteilung wurden extrahiert, unter testtheoretischen Gesichtspunkten analysiert, interne Konsistenzen und Interraterreliabilitäten berechnet und Itemauswahlen zur Fragebogenoptimierung getroffen. Auf diese Weise konnten für die weitere Erhebung der Veranstaltungsqualität und Wirkungsevaluation zuverlässige Beurteilungsinstrumente geschaffen werden. Darüber hinaus wurden bei der Erstellung der Fragebögen zahlreiche theoriegeleitete Hypothesen sowohl über die dimensionale Beschaffenheit des Fragebogens als auch über Zusammenhänge formuliert. Die Bestätigung genauer theoriegeleiteter Hypothesen unterstützt und bestätigt die Validität des Fragebogens und ermöglicht weiterhin nach Bungart et al (1996) die Überprüfung kausaler Zusammenhänge anhand der gefundenen Datenmuster.

Die stattfindende wiederholte Anwendung der Beurteilungsinstrumente führt zu einer stetigen Optimierung und Validierung der Evaluation und bildet gleichzeitig die Grundlage für eine fortlaufende Anpassung und Optimierung der Lehrveranstaltungen. Die Rückmeldung valider Beurteilungsergebnisse an die Lehrenden ermöglicht diesen, ihre Lehre besser nach den didaktischen und curricularen Erfordernissen auszurichten, indem es die Überprüfung gesetzter Ziele erlaubt. Weiterhin können Veranstaltungen hinsichtlich dieses Erreichungsgrades verglichen werden.

Neben der oben dargelegten quantitativen Rückmeldung ist auch eine qualitative Rückmeldung implementiert. Der Vorteil der informellen Befragung liegt in ihrer Nähe zu den zur Frage stehenden didaktischen Konzeptvorgaben und Problemen. Da das Curriculum eine Themenblockstruktur aufweist, werden immer mit Abschluss eines Blocks eine von den jeweiligen Jahreskursen beauftragte Kontaktgruppe, die verantwortlichen Dozierenden sowie die verantwortlichen MitarbeiterInnen des Studiendekanates zu einer Feedbackrunde eingeladen. Hier sind die Rückmeldungen persönlich, direkt, offen und dürfen auch subjektiv sein. Die Ergebnisprotokolle dieser Kontaktgruppensitzungen werden den verantwortlichen ThemenblockleiterInnen zur Planung des Blocks im Folgejahr nochmals vorgelegt und Verbesserungen/Veränderungen auf der Basis der studentischen Rückmeldungen eingefordert.

Seit dem Herbstsemester 2019 werden die Themenblöcke zusätzlich durch standardisierte Fragebögen evaluiert. Die JahreskursvertreterInnen stellen die Evaluationsergebnisse in den Kontaktgruppensitzungen vor, wo diese auch diskutiert werden.

Mit Hilfe der verschiedenen Ergebnisberichte der Evaluationen wurden vielfältige und umfangreiche Veränderungen/Verbesserungen im medizinischen Curriculum umgesetzt. Die verantwortlichen PlanerInnen haben damit Daten in der Hand, die für wissenschaftlich geschulte Dozierende überzeugende Argumente darstellen. Die statistischen Analysen sind umfangreich und aufwändig, aber im Kontext einer Qualitätsanalyse der Arbeitsweisen von WissenschaftlerInnen in einer akademischen Institution eine Grundbedingung, um qualitativ hochwertige Lehre garantieren zu können.

 

Bungart, W., Holling, H. & Schultz-Gambard, J. (1996). Methoden der Arbeits- und Organi-sationspsychologie. Weinheim: Beltz.

Felder, R. (1992) What do they Know Anyway ? Chem. Engr. Education, 26(3), p. 134-135

Karma El-Hassan (1995) Students’ ratings of instruction: generalizability of findings. Studies in Educational Evaluation, 21,pp. 411-429

Schenkel, P., Tergan, S.-O. & Lottmann, A. (Ed.)- (2000) Qualitätsbeurteilung multimedialer Lern- und Informationssysteme. Nürnberg: BN´W Bildung und Wissen